Von der Bürgerwehr zur Bundeswehr
Die Militärgeschichtliche Sammlung Bremen zeigt die bewegte Geschichte des Bremer Militärs von den Bürgerwehren des 17. Jahrhunderts bis zur heutigen Bundeswehr. Bremen war über Jahrhunderte eine Stadt des Handels und der Schifffahrt, doch auch die Verteidigung spielte eine wichtige Rolle. Die Exponate der Ausstellung erzählen von den Herausforderungen, die das Bremer Militär durchlebte – und von den Veränderungen, die es bis heute prägen. Entdecken Sie, wie sich das Verhältnis zwischen Militär und Gesellschaft im Laufe der Zeit wandelte.
Die Bremer Bürgerwehr (um 1700) – Selbstschutz für eine freie Stadt
"Deutschland" bestand um 1700 aus einem Flickenteppich unabhängigen Staaten und Städten. Bremen war Freie Reichsstadt mit einem Senat aus Kaufleuten und Handwerkern.
Schon seit dem Mittelalter schützten sich die Bremer Bürger selbst. Im 17. Jahrhundert wurde diese Bürgerwehr ausgebaut, um die Unabhängigkeit der Hansestadt zu sichern. Sie bestand aus Kaufleuten und Handwerkern, die neben ihrem Beruf auch die Stadt verteidigten. Dies stärkte den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft, machte aber auch deutlich, wie sehr Bremen auf seine Selbstständigkeit bedacht war.
Links: Bürgermilitär und Bürgereid
Bremen und die Napoleonischen Kriege (1806–1813)
Deutschland war unter französischer Besatzung. Napoleon hatte das Heilige Römische Reich aufgelöst und viele Gebiete annektiert.
1806 besetzten französische Truppen Bremen. Die Bürgerwehr wurde entwaffnet und Bremen verlor seine Unabhängigkeit. Doch mit dem Rückzug der Franzosen 1813 formierte sich der Bremer Widerstand neu. Die Rückeroberung der Stadt war ein Wendepunkt, der das Freiheitsbewusstsein der Bremer nachhaltig prägte.
Rechts: Trommel des Regimentstambours Buhse
Die Gründung des Bremer Bürgermilitärs (1814)
Nach Napoleons Niederlage wurde der Deutsche Bund gegründet, ein loser Staatenbund unter österreichischer Führung. Bremen wurde wieder eine selbstständige Stadt und stellte eine neue Verteidigungstruppe auf – das Bremer Bürgermilitär.
Es war ein Zeichen der neu gewonnenen Selbstständigkeit, aber auch ein Ausdruck des Misstrauens gegenüber fremden Mächten. Das Bürgermilitär bestand bis 1866 und zeigt, wie stark Bremen seine Eigenständigkeit verteidigte.
Links: Tschako eines Lützower Jägers
Das Infanterie-Regiment 75 – Bremens militärische Tradition
Schwerpunkt der Sammlung und Ausstellung sind Exponate zum Infanterie-Regiment 75.
Das Infanterie-Regiment 75 - später umbenannt in Infanterie-Regiment Bremen (1.Hanseatisches) Nr.75 - wurde 1866 aufgestellt und hatte enge Verbindungen zu Bremen. Es bestand aus Soldaten aus Bremen und dem Umland und war eine der bedeutendsten Militäreinheiten der Stadt. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs (1871) wurden die deutschen Streitkräfte weiter ausgebaut. Bremen stellte nun Soldaten für die preußische Armee.
Das Regiment nahm an mehreren Kriegen teil:
- Deutsch-Französischer Krieg (1870/71): Kämpfte in Frankreich und trug zur deutschen Reichsgründung bei.
- Erster Weltkrieg (1914–1918): War an der Westfront eingesetzt und erlitt schwere Verluste.
- Auflösung nach 1918: Mit der Reduzierung der deutschen Streitkräfte im Versailler Vertrag wurde das Regiment aufgelöst.
Das 75. Infanterie-Regiment war für viele Bremer eine Quelle des Stolzes, aber auch ein Symbol für die militärische Einbindung der Stadt in die deutschen Kriege. In der Militärgeschichtlichen Sammlung Bremen sind zahlreiche Exponate zu diesem Regiment erhalten, darunter Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und Dokumente, die an das Leben der Bremer Soldaten erinnern.
Bremen und der Deutsche Krieg (1866)
Der Deutsche Bund löste sich auf, Preußen und Österreich kämpften um die Vorherrschaft. Bremen schloss sich dem siegreichen Preußen an.
1866 wurde Bremen in den Konflikt zwischen Preußen und Österreich hineingezogen. Obwohl die Stadt offiziell neutral blieb, musste das Bürgermilitär aufgelöst werden, da Bremen dem Norddeutschen Bund beitrat. Damit verlor die Stadt einen Teil ihrer Unabhängigkeit, gewann aber gleichzeitig Anschluss an eine größere militärische Struktur.
Rechts: Fahnen und Uniformen des Bremer Militärs.
Bremer Truppen im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71)
Deutschland wurde unter preußischer Führung vereint. 1871 entstand das Deutsche Kaiserreich unter Wilhelm I.
Erstmals kämpften Bremer Soldaten als Teil der preußischen Armee gegen Frankreich. Viele Bürger standen dem skeptisch gegenüber, doch der Sieg führte zur Gründung des Deutschen Reiches. Bremen wurde nun Teil einer größeren nationalen Identität – mit allen Konsequenzen für Militär und Gesellschaft.
Links: "Die Schlacht bei Loigny", Schlachtengemälde von Emil Hünten (Ausschnitt)
Bremen und der Erste Weltkrieg (1914–1918)
Deutschland war eine konstitutionelle Monarchie unter Kaiser Wilhelm II. Der Erste Weltkrieg führte zur politischen und sozialen Destabilisierung.
Mit dem Ersten Weltkrieg erlebte Bremen die Schrecken der modernen Kriegsführung. Viele Bremer Soldaten zogen an die Front, während die Heimatstadt unter wirtschaftlichen und sozialen Belastungen litt. Nach dem Krieg stand Bremen vor großen Herausforderungen: Demobilisierung, Revolution und der Versuch eines Neuanfangs.
Rechts: Das Schwarzlose-Maschinengewehr im 1. Weltkrieg
Die Bremer Räterepublik (1919)
Politische Situation: Nach dem Krieg wurde Deutschland zur Weimarer Republik, der ersten deutschen Demokratie. Doch die Anfangsjahre waren von Revolutionen und Konflikten geprägt.
Nach dem Krieg kam es auch in Bremen zu revolutionären Unruhen. Im Januar 1919 wurde die Bremer Räterepublik ausgerufen, doch bereits im Februar wurde sie von Regierungstruppen gewaltsam niedergeschlagen. Dieses Ereignis zeigte, wie tief gespalten die Gesellschaft nach dem Krieg war und wie umkämpft die Zukunft Bremens blieb.
Links: Aufruf an die Bevölkerung im Februar 1919
Bremen im Zweiten Weltkrieg (1939–1945)
Deutschland war seit 1933 eine Diktatur unter Adolf Hitler und der NSDAP. Der Zweite Weltkrieg begann mit einer Meldung über einen Überfall auf Polen.
Während des Zweiten Weltkriegs war Bremen eine wichtige Rüstungs- und Hafenstadt. Die Stadt erlitt schwere Bombenangriffe, und viele Bremer dienten in der Wehrmacht. Nach Kriegsende lag Bremen in Trümmern – ein Mahnmal für die Folgen militärischer Eskalation.
360-Grad-Panoramabild des im 2. Weltkrieg zerstörten Bremen (Ausschnitt)
Bremen unter alliierter Besatzung (1945–1949)
Politische Situation: Deutschland war in Besatzungszonen aufgeteilt. Bremen gehörte zur amerikanischen Zone und war unter US-Verwaltung.
Nach 1945 wurde Bremen zur US-amerikanischen Besatzungszone. Die Stadt diente als wichtiger Nachschubhafen für die US-Armee. Dies führte zu wirtschaftlicher Stabilität, aber auch zu Debatten über die Rolle Bremens in der neuen deutschen Nachkriegsordnung.
Links: Aus der Not geboren: modifizierte Hilfsmittel
Die Aufstellung der Bundeswehr in Bremen (1956)
Politische Situation: Deutschland war seit 1949 geteilt. Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) wurde demokratisch regiert, während die DDR unter sowjetischer Kontrolle stand.
Mit der Gründung der Bundeswehr begann eine neue Ära. Bremen wurde Standort verschiedener Einheiten, darunter Marine und Luftwaffe. Doch nach den Erfahrungen zweier Weltkriege war die Akzeptanz der neuen Armee nicht selbstverständlich. Die Bundeswehr musste ihr Verhältnis zur Gesellschaft neu definieren.
rechts: Die "Filzlaus", der Kampfanzug, jagdmeliert.
Bremen als Standort der NATO und Bundeswehr (Kalter Krieg)
Deutschland war in den Ost-West-Konflikt eingebunden. Die BRD war Teil der NATO, die DDR Teil des Warschauer Pakts.
Im Kalten Krieg spielte Bremen eine strategische Rolle als Hafen- und Militärstandort. Die Bundeswehr war fest in das NATO-Bündnis integriert. Doch in der Bevölkerung gab es auch Proteste gegen die Aufrüstung und gegen die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland.
Links: Ein ehemals Bremer Soldat - General Altenburg
Bundeswehr heute – Wandel und Herausforderungen
Deutschland ist seit 1990 wiedervereint und eine gefestigte Demokratie. Die Bundeswehr beteiligt sich an internationalen Einsätzen.
Heute ist die Bundeswehr in Bremen vor allem mit Logistik und Ausbildung präsent. Sie hat sich von einer Verteidigungsarmee des Kalten Krieges zu einer international agierenden Streitkraft gewandelt. Gleichzeitig gibt es gesellschaftliche Debatten über die Rolle des Militärs in Deutschland – eine Frage, die auch in Bremen immer wieder diskutiert wird.
Rechts: Die Bundeswehr in Bremen, von den Anfängen bis heute. Logo der Bundeswehr
Diese kurze Reise durch die Geschichte zeigt, wie eng das Bremer Militär mit der Entwicklung der Stadt und ihrer Gesellschaft verwoben ist. Unsere Ausstellung bietet Ihnen die Möglichkeit, diese spannende Vergangenheit anhand einzigartiger Exponate selbst zu entdecken.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!